Neuer Tag, neue Erkenntnisse!
Bei mir ist es so, dass etwas erst einmal in meinen Händen reifen muss, bevor ich ein finales Urteil bzw. Bewertung abgebe. Und gerade bei Hardware-Upgrades (bei CPUs allemal und um so mehr) ist anfangs immer einiges an Feinschliff fällig.
Meine gestrigen Ergebnisse waren ja durchaus positiv und die haben mich auch echt erfreut. Gleichzeitig aber - so objektiv muss man bei aller Freude sein - hat der 5800X3D aber auch bei mir seinen Ruf als Hitzkopf bestätigt. Ich habe nebenher Hardware-Info, CPU-Z, CoreTemp usw. mitlaufen lassen und, was da angezeigt wurde, ließ mich sogar zweifeln, ob bei der Montage alles richtig gelaufen ist. Ich hatte schon dran gedacht, dass sich vielleicht die etwas zähe Wärmeleitpaste nicht gleichmäßig genug zwischen Heatspreader und Kühler verteilt hätte. Aber andererseits: Ich mache sowas nicht zum ersten Mal und, wenn man sich im Netz umschaut, dann wird überall davon berichtet, dass der 5800X3D gerne mal in die Abregeltemperatur von 90° läuft. Ich habe das vorher schon gewusst und mich auch mit der Frage der Kühlung beschäftigt-
Viele scheinen das - wenn man mal die einschlägigen Foren durcharbeitet - für normal zu halten und reden sich das schön. Und dann kommen so Ratschläge, dass man unbedingt eine Wasserkühlung bräuchte, um den Hitzkopf zu bändigen. Mein Problem: Eine Wasserkühlung kommt mir nicht in den Rechner. Dementsprechend habe ich mit dem Scythe Fuma 3 schon mal einen mächtigen Endgegner als Kühler mitgeordert. Aber man sieht ja am gestrigen Ergebnis, dass auch der es nicht schafft, die Kerntemperatur unter Last (z.B. durch den MSFS oder auch Benchmarks) dauerhaft unter 90° zu halten.
Sicherlich kann die CPU das ab, aber abregeln heißt ja, dass die Temperaturzunahme über 90° hinaus durch Wegnahme von Leistung verhindert wird. Und das ist ja genau das, was ich nicht haben will. Was nützt mit ein Rennwagen, der auf der schnellen Geraden in den Drehzahlbegrenzer läuft....
Also habe ich mich heute genau mit diesem Problem beschäftigt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell ein so effektive Lösung finden würde. Und diese Lösung ist so effektiv, dass ich sie mal als
Win-Win-Win
bezeichnen würde. 3x Win? Ihr werdet gleich sehen, was gemeint ist. Das Geheimnis (naja, sooooo geheim ist das nun auch wieder nicht) nennt sich
Undervolting!
Im Grunde genommen ist das - wenn man so will - quasi das Gegenteil vom Übertakten.
Beim Undervolting nimmt man etwas Kernspannung weg. Eben so viel, dass die CPU damit noch problemlos umgehen kann. Weniger Spannung führt zu weniger elektrischer Leistung. Weniger elektrische Leistung führt zu weniger Wärme. Und weniger Wärme sorgt dafür, dass der Prozessor einen kühleren Kopf behält und sich nicht runterregeln muss. Das wiederum führt zu mehr Rechenleistung.
Genau damit habe ich mich heute beschäftigt. Ich habe damit experimentiert und einen Wert gefunden, mit dem ich anscheinend in Sachen Stabilität auf der sicheren Seite bin. Knapp 200 mV (um genau zu sein, 187,5 mV) habe ich allen Cores weggenommen. Es wäre vielleicht noch ein bisschen mehr gegangen, aber wie gesagt, ich wollte in Sachen Stabilität einen gesunden Abstand zur unteren Spannungsgrenze halten. Aber der Erfolg ist verblüffend. Eben ein Win-Win-Win-Effekt:
- 1. Win: Beim CPU-Z-Stresstest ist die Kerntemperatur deutlich gesunken. 90° wurden gar nicht mehr erreicht und selbst die 80°-Marke nur noch hin und wieder in kurzen Spiten angekratzt. Überwiegend lag die Temperatur im 70er Bereich.
- 2. Win: Energieersparnis etwa bei 10%. Ohne Undervolting lag die elektrische Leistung des Prozessors im CPU-Z-Stresstest bei ~108 W, mit UV bei ~98 W. Immerhin 10 Watt.....das wird Robert Habeck freuen....
- 3. Win: Das ist der eigentliche Hammer - die Rechenleistung ist um ca. 5% gestiegen. Vorher wurden die Cores im Stresstest mit etwa 4230 Mhz getaktet, mit Undervolting liefen die Cores durchgängig mit 4442 Mhz.
Im CPU-Benchmark von CPU-Z wurde das Bild bestätigt. Beim CPU Multi-Thread gab es 6040 Punke mit normaler Spannung und 6320 Punkte mit Undervolting.
So, jetzt - glaub' ich - bin ich da, wo ich hin wollte. Dieses Win-Win-Win hätte ich so nicht erwartet - obwohl man es bei den Quellen, die ich so als kompetent einstufe, schon rauslesen kann, dass es so ist, wie es nun ist. Dennoch klingt es zu schön, um wahr zu sein.